Es gibt Themen und Probleme, die weder individuell noch objektiv lösbar sind. Tod, Altern und Sterben, der Sinn oder die Sinnlosigkeit von Leid und Schmerz, die Probleme von Globalisierung und neuer Armut oder 'einfach' Fragen des Geschmacks und der öffentlichen Finanzierung von Kunst - all das sind Probleme, die sehr vielen Menschen durch den Kopf gehen und die alle betreffen (diese Liste ließe sich beliebig verlängern oder verändern). Diese Probleme haben keine Lösung, zumindest keine schnelle oder einfache, wodurch sehr viele Menschen daran in der einen oder anderen Form 'verzweifeln'. Sie gehen über den Bereich eines einzelnen Menschen weit hinaus und haben ihren Ursprung nicht in der Psyche; man wäre damit beispielsweise bei einem Psychotherapeuten (sollte die 'Verzweiflung' eine derartige Stärke erreichen) sicherlich nicht am richtigen Ort.

Die Auseinandersetzung über diese Themen soll aus den Elfenbeintürmen der Universitäten und des Expertentums herausgeführt werden, ohne in althergebrachte und ständig wiederholte Stereotype zu versinken. Die Erfahrung von WissenschaftlerInnen oder Menschen mit Erfahrung in bestimmten Gebieten soll dabei durchaus genützt werden, aber nicht im Sinne des Vermittelns von Information von Wissenden an Unwissende, sondern im Gestalten eines Gesprächs, und zwar an einem Ort, der Menschen nicht in Ehrfurcht erstarren läßt, sondern an dem geredet, getrunken, gestritten und gegessen wird, ein Ort, der allen zugänglich ist. Dieses Gespräch soll nicht institutionalisiert sein, aber doch moderiert und gezielt gestaltet, denn wir glauben, daß die alte, 'sokratische Methode' des Dialogs sehr wohl dazu geeignet ist, auch sehr komplizierte, emotionsgeladene und schwierige Probleme und Themen zu behandeln und gemeinsam zu diskutieren.

Natürlich können auch GeisteswissenschaftlerInnen und PhilosophInnen keine endgültigen Lösungen für die genannten Probleme anbieten, aber das ist auch nicht unser Anspruch. Aber wir können den Bedarf nach Kommunikation ernst nehmen und ein Forum anbieten, in dem eine Auseinandersetzung und ein Dialog über Probleme stattfinden. Dabei sind wir der Idee verpflichtet, daß es der ständigen Diskussion bedarf, um mit diesen 'unlösbaren' Problemen umzugehen.